Was kostet Online-Marketing? Ehrliche Zahlen und Rechenwege.

Strategie · 16. Juni 2026 · 5 Min. Lesezeit · von Oliver Misch

Was kostet Online-Marketing? Ehrliche Zahlen und Rechenwege

Die Frage nach den Kosten ist die erste, die uns Interessenten stellen, und die letzte, die Agentur-Websites beantworten. Überall steht dasselbe: Das hängt vom Umfang ab, fordern Sie ein individuelles Angebot an. Das stimmt zwar, hilft aber niemandem, der gerade sein Budget plant.

Was kostet Online-Marketing also wirklich? Deshalb hier der Versuch einer ehrlichen Antwort mit echten Größenordnungen. Die Rechenwege dahinter liefern wir gleich mit. Zwei Dinge vorweg: Die genannten Spannen sind Orientierungswerte aus dem deutschen Markt, keine Preisliste, und sie können je nach Region, Anspruch und Anbieter abweichen. Und billig ist im Marketing selten günstig, dazu am Ende mehr.

Der Rechenweg vor allen Zahlen: Was darf ein Kunde kosten?

Bevor Sie irgendein Angebot bewerten, brauchen Sie eine eigene Zahl: den Wert eines Kunden. Die Rechnung ist simpel. Was bringt Ihnen ein durchschnittlicher Kunde an Deckungsbeitrag, und zwar über die gesamte Zeit, die er bleibt, nicht nur beim ersten Auftrag? Wer das weiß, kann ableiten, was die Gewinnung eines Kunden kosten darf, und plötzlich werden Marketing-Ausgaben vergleichbar.

Ein Beispiel: Bringt ein Kunde über die Jahre 6.000 Euro Deckungsbeitrag, sind 600 Euro für seine Gewinnung ein glänzendes Geschäft. Bei einem 80-Euro-Produkt ohne Wiederkauf wäre dieselbe Summe ruinös. Deshalb kann pauschal niemand sagen, ob ein Kanal teuer ist. Es kommt darauf an, was hinten herauskommt.

Was Suchmaschinenoptimierung kostet

SEO wird fast immer als monatliche Betreuung angeboten. Im deutschen Markt bewegen sich seriöse Angebote für kleine Unternehmen grob zwischen 500 und 1.500 Euro im Monat, im Mittelstand je nach Wettbewerb und Umfang eher zwischen 1.500 und 5.000 Euro. Einmalige Analysen mit Maßnahmenplan liegen oft im vierstelligen Bereich.

Wichtig fürs Verständnis: SEO ist ein Investment mit Anlaufzeit. Die ersten Monate fließen in Analyse, Technik und Inhalte, spürbare Ergebnisse kommen je nach Wettbewerb nach sechs bis zwölf Monaten, wirken dann aber dauerhaft. Auf zwei, drei Jahre gerechnet ist der organische Kanal deshalb fast immer der günstigste pro Anfrage. Misstrauisch sollten Sie bei zwei Extremen werden: SEO für 99 Euro im Monat kann handwerklich nicht sauber sein, und Ranking-Garantien sind ein Warnsignal, kein Verkaufsargument.

Was bezahlte Werbung kostet

Bei Google, Meta und LinkedIn zahlen Sie zweimal: das Mediabudget an die Plattform und die Betreuung an Agentur oder Freelancer. Beim Mediabudget gilt eine praktische Untergrenze von etwa 1.000 Euro im Monat, darunter sammeln die Systeme zu wenig Daten, um zu lernen. Die Klickpreise selbst reichen von Cent-Beträgen bis zu zweistelligen Summen in umkämpften Branchen.

Die Betreuung kostet je nach Umfang meist einige hundert bis wenige tausend Euro im Monat. Achten Sie auf das Abrechnungsmodell: Ein Festhonorar ist sauberer als eine prozentuale Beteiligung am Budget, denn Letztere belohnt die Agentur fürs Geldausgeben statt fürs Optimieren. Und bestehen Sie darauf, dass die Werbekonten auf Ihren Namen laufen. Beides zusammen erspart Ihnen die teuersten Überraschungen dieser Disziplin.

Was Content kostet

Für einen recherchierten, suchoptimierten Fachartikel sind je nach Anspruch und Thema etwa 300 bis 800 Euro realistisch, anspruchsvolle Leistungsseiten oder Pillar-Inhalte können darüber liegen. KI hat die Produktion günstiger gemacht, aber Vorsicht bei Kampfpreisen: Ein Text für 50 Euro ist ein ungeprüfter Maschinentext, und der schadet Ihrer Glaubwürdigkeit mehr, als er der Sichtbarkeit nützt.

Die wichtigere Stellschraube als der Einzelpreis ist ohnehin die Menge. Zwei starke Inhalte im Monat, die eine Suchintention wirklich beantworten, schlagen acht oberflächliche. Wer am Content spart, sollte an der Anzahl sparen, nie an der Qualität.

Was KI und Automatisierung kosten

Hier wird in Projekten gedacht statt in Monatspauschalen. Eine einzelne, sauber aufgesetzte Automatisierung, etwa fürs Anfragen-Handling, ist typischerweise ein Projekt im vierstelligen Bereich, umfangreichere Vorhaben entsprechend mehr. Dazu kommen laufende Werkzeugkosten, oft nur zweistellige Beträge im Monat.

Das Schöne an dieser Kategorie: Die Rechnung ist besonders ehrlich. Gesparte Stunden pro Woche mal Stundenkosten, gegen Projektpreis und Toolmiete. Meist amortisiert sich ein guter Workflow innerhalb weniger Monate, und ab dann spart er dauerhaft. Wenn diese Rechnung bei einem Vorhaben nicht aufgeht, lassen Sie es, egal wie modern es klingt.

Agentur, Freelancer oder selbst machen?

Neben dem Wie-viel stellt sich immer auch das Mit-wem, und auch hier helfen Größenordnungen. Freelancer liegen im deutschen Markt je nach Erfahrung meist bei 60 bis 120 Euro pro Stunde, Agenturen bei etwa 90 bis 150 Euro. Der Aufpreis der Agentur kauft Vertretung bei Ausfall, mehrere Kompetenzen unter einem Dach und eingespielte Abläufe. Der Freelancer punktet mit Flexibilität und oft mit tiefer Spezialisierung. Beides kann richtig sein, entscheidend ist die Passung zum Vorhaben: Ein klar umrissenes Einzelthema verträgt sich gut mit einem Spezialisten, eine Strategie mit mehreren Bausteinen profitiert von einem Team.

Und selbst machen? Für Grundlagen wie die Pflege der eigenen Inhalte oder das Beobachten der Zahlen: unbedingt, das hält die Kosten schlank und das Wissen im Haus. Für Spezialfelder wie Kampagnen-Setups oder technisches SEO wird Selbstlernen dagegen schnell zur teuersten Variante, weil die Lehrzeit aus Ihrem wertvollsten Budget bezahlt wird, Ihrer Arbeitszeit. Die ehrliche Rechnung lautet auch hier: eigene Stunden mal eigener Stundensatz, verglichen mit dem Preis des Profis.

Die versteckten Kosten, an die niemand denkt

Drei Posten fehlen in fast jeder Budgetplanung. Erstens Ihre eigene Zeit: Auch mit Agentur brauchen Projekte Ihr Feedback, Ihr Fachwissen und Ihre Freigaben, realistisch ein paar Stunden im Monat. Zweitens die Website selbst: Wenn Kampagnen Besucher auf eine Seite schicken, die nicht überzeugt, verbrennt jedes Budget, manchmal muss die Basis zuerst saniert werden. Drittens die Kosten des Nichtstuns, die unsichtbarste Position von allen: Jeder Monat ohne Sichtbarkeit ist ein Monat, in dem Ihre Kunden beim Wettbewerb anfragen.

Drei Fragen, die jedes Angebot beantworten muss

Egal bei wem Sie anfragen, prüfen Sie Angebote an drei simplen Fragen. Erstens: Was genau wird geliefert? Konkrete Leistungen mit Stückzahlen und Umfängen statt Formulierungen wie ganzheitliche Betreuung. Zweitens: Woran wird der Erfolg gemessen, und wann? Ein seriöses Angebot nennt Kennzahlen und realistische Zeiträume. Drittens: Wie komme ich wieder heraus, und was gehört danach mir? Kündigungsfristen, Konten-Eigentum und Datenübergabe gehören schriftlich geklärt, bevor Sie unterschreiben. Wer auf eine dieser Fragen ausweichend antwortet, hat Ihnen die Antwort damit eigentlich schon gegeben.

Das Fazit: Budget folgt Rechnung, nicht Bauchgefühl

Zusammengefasst: Kleine Unternehmen kommen mit einem fokussierten Setup oft ab etwa 1.000 bis 2.000 Euro im Monat ins Arbeiten, im Mittelstand sind je nach Zielen 3.000 bis 10.000 Euro üblich. Entscheidend ist aber nicht die absolute Zahl, sondern die Rechnung dahinter. Ein Budget ist dann richtig, wenn die Kosten pro gewonnenem Kunden deutlich unter seinem Wert liegen. Alles andere ist Dekoration.

Wenn Sie diese Rechnung für Ihr Unternehmen einmal konkret aufmachen möchten: Genau das tun wir im kostenlosen Strategiegespräch, mit Ihren Zahlen statt mit Durchschnittswerten. Und wie Sie das Budget anschließend klug verteilen, zeigt der Leitfaden zur Online-Marketing-Strategie.

Oliver Misch
Oliver Misch

Oliver Misch ist Geschäftsführer der medienplus GmbH. Er kalkuliert seit 18 Jahren Marketing-Projekte und findet: Wer über Preise nicht offen spricht, hat meist einen Grund dafür.

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